10jähriges Bestehen des Bürgerbusvereins Visselhövede

Visselhövede 08.12.2017 - Von Jens Wieters.

Was tun, wenn man auf dem Land wohnt und dringend in die Stadt muss? Bekanntlich hält sich das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs in vielen Regionen Niedersachsens arg in Grenzen. Im Raum Visselhövede löst der ehrenamtlich geführte Bürgerbusverein das Problem. Und das seit genau zehn Jahren, denn am 9. Dezember 2007 war der damals auberginefarbene Bus zu seiner ersten Fahrt gestartet.

„Mittlerweile ist es natürlich nicht mehr der erste Bus, sondern bereits das dritte Fahrzeug, aber das ist ja auch kein Wunder, denn bei täglich 300 Kilometern kommt ein ganzes Stück zusammen“, so Eckhard Langanke, Vorsitzender des Bürgerbusvereins.

Er und seine Mitstreiter nutzen das kleine Jubiläum am Samstag übrigens für ein Stelldichein befreundeter Vereine. So werden gegen 11 Uhr auf dem Visselhöveder Marktplatz 17 Bürgerbusse aus ganz Norddeutschland erwartet, die dort in Reih und Glied geparkt werden, damit die Fahrer und natürlich auch die Fahrgäste sich einen Überblick verschaffen können, wie denn die Autos in anderen Landkreisen ausgestattet sind. „Danach gibt es im Haus der Bildung einen kleinen Rückblick mit einigen Reden und auch am Nachmittag haben wir ein Programm für die Vereine organisiert“, so Langanke.

Für Bedarfsanalyse über die Dörfer getingelt 

Der war 2006 durch einen Zeitungsbericht über den Bürgerbus in Schwarmstedt (Heidekreis) auf die Idee gekommen, „so etwas doch auch bei uns zu installieren“. Gemeinsam mit Enno Precht hatte er sich an den renommierten Verkehrsplaner Dietrich Stempel gewandt, der damals in Ottingen zu Hause war.

„Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie man die Idee realisieren kann“, erinnert sich Langanke. Stempel sei damals über die Dörfer getingelt und habe eine Bedarfsanalyse entwickelt. „Denn schließlich wollten wir natürlich wissen, ob so ein Bus überhaupt angenommen wird.“

Nachdem viele Einwohner auf dem Land Bereitschaft signalisiert hatten, den Bus zu nutzen, gingen Langanke, Precht und Stempel zum Regionalmanagement des EU-Projekts Hohe Heide, um einen Zuschuss für Anschubfinanzierung zu bekommen. Als das Finanzielle geklärt war und das Land das Auto bezahlt sowie Landkreis und die Stadt Visselhövede den Betrieb durch Zuschüsse gesichert hatten, hat sich der im Februar 2006 gegründete Verein die Weser-Ems-Bus GmbH als Partner gesucht.

Der erste Bürgerbus im Landkreis

„Der Verein ist zwar hinsichtlich der Fahrplangestaltung an die Vorgaben der Weser-Ems gebunden, in allen anderen Vorhaben sind wir aber selbstständig. Der Bürgerbusverein stellt den Dienstplan auf und organisiert den Betrieb des Busses“, erläuterte Langanke, der bis Mitte 2019 an das Unternehmen gebunden ist. „Dann gibt es eine neue Ausschreibung.“

Am 9. Dezember 2007 war es dann soweit: Fred Dorogi durfte als erster Fahrer den VW-Bus in Bewegung setzen und die eingerichteten Haltestellen ansteuern. „Wir waren der erste Bürgerbus im Landkreis. 19 Fahrer hatten wir damals zur Verfügung. Einige von ihnen sind immer noch dabei. So Ursula Endres, Wolf Fischer, Helmut Krüder, Dieter Precht, Karin Wallin, ich selbst und bis vor kurzer Zeit auch Dieter Jepsen und Hans-Hermann Nieber“, so der Bürgerbus-Chef.

Im Schnitt nutzen 5.000 Personen pro Jahr den Bus

In dem Jahrzehnt wurden 25 Fahrer eingearbeitet, die im Jahr 72.000 Kilometer abspulen. In den zehn Jahren ist der Bus quasi 18 Mal um die Welt gerollt. Dass das nicht ganz ohne Schäden vonstatten gehen kann, versteht sich von selbst. So krachte der Bürgerbus Anfang dieses Jahres gegen einen Baum und war nur noch Schrott. Monatelang musste der Bus des DRK-Ortsvereins als Ersatz herhalten, bis das Geld für das neue Auto da war und der VW entsprechend umgerüstet wurde. 

„In diesen Tagen erwarten wir den 50.000. Fahrgast“, hat Langanke errechnet. Das entspricht einem Schnitt von 5.000 Personen pro Jahr, die den Bürgerbus nutzen. „Nach ein paar Startschwierigkeiten sind wir mit den Zahlen zufrieden. Besonders die Strecken nach Neuenkirchen und nach Stellichte werden sehr stark nachgefragt“, berichtet Langanke, der in St. Pauli aber auch viele Umsteiger in den Kirchlintelner Bürgerbus verzeichnet, der Fahrgäste nach Verden bringt.